HEARTBREAKERS - Er will mich für immer jetzt auf Amazon downloaden!

The Bastards – Atme ein (Leseprobe)

bastards-i-atme-ein-kopieOh mein Gott, ist das ekelhaft!

Nur langsam schiebt sich die gefrorene, zähflüssige Masse meine Kehle hinunter. Bäh! Dieses seltsame Gemisch aus starkem Kaffee und Rum ist absolut nicht mein Geschmack. Es schmeckt zugleich bitter und dann viel zu süß. Ne, noch so einen trink ich nicht, egal wie sehr Kim mich darum anbettelt.

»Gehirnbrand! Gehirnbrand!«, quietscht sie wie eine Verrückte und knallt das kleine Glas wieder auf die Theke. Dann schiebt sie sich einen Daumen in den Mund und presst ihn gegen ihren Gaumen.

Ich reiße die Augen auf. »Was machst du da? Nimm gefälligst den Daumen aus dem Mund, du bist doch kein kleines Kind mehr!«

Kim fängt an zu lachen, was sich mehr wie ein Röcheln anhört, da sie noch immer den Daumen im Mund hat. »Dasch mascht man sfo bei Gehirnbrand.« Sie giggelt schon wieder.

Worauf habe ich mich da bloß eingelassen?

Ich mag Kim wirklich sehr, um ehrlich zu sein, ist sie die einzige Freundin, die ich hier in Berlin habe. Wir arbeiten beide im Hummelnest, einer Kindertageseinrichtung im Prenzlauer Berg. Vom ersten Tag an haben wir uns gut verstanden, obwohl wir unterschiedlicher nicht sein könnten. Allein vom Äußerlichen her unterscheiden wir uns total. Kim ist sehr extrovertiert. Die Kinder mögen das, die Eltern offiziell auch, obwohl das seine Grenzen hat. Ihr tolles Totenkopftattoo, welches sie auf der linken Wade trägt, muss sie verdeckt halten, weil es die Kinder angeblich erschreckt. Absoluter Quatsch! Die Kinder hatten einen Wahnsinnsspaß daran, das Tattoo genau zu studieren, haben viele Fragen dazu gestellt und so eine Menge über das mexikanische Totenfest erfahren.

Viel mehr hat es wohl die Eltern erschreckt, dass ihre Kinder plötzlich Totenmasken gezeichnet haben. Aber Kim wäre nicht Kim, wenn sie nicht mit absoluter Coolness darauf reagiert hätte. Eine Woche darauf hatte sie in neues Piercing in der Nase, so wie es sonst nur Zuchtbullen tragen. Wie immer fanden die Kinder es toll, mein Geschmack war es nicht, aber trotzdem liebe ich den Rebell in ihr. Manchmal wünschte ich, auch so mutig zu sein.

»Willst du auch noch einen?«, fragt sie und winkt schon den Barkeeper herbei.

»Ne, lass mal, ich glaub, das ist nix für mich. Ich trink lieber noch eine Cola«, antworte ich und bestelle die auch direkt, damit Kim mir ja nicht in die Quere kommt.

»Ach komm schon, du hast gesagt, wir wollen ein bisschen Spaß haben!«

Ich verdrehe die Augen. »Kann man denn nur mit Alkohol Spaß haben?«, frage ich sie.

»Echt, Katarina, du bist so eine Spießerin. Wann legst du die Landpomeranze endlich ab?« Sie kippt sich den zweiten Black Ice in die Kehle. Mich schüttelt es.

»Es ist mitten in der Woche und es war auch gar nicht geplant, dass wir heute ausgehen.«

Jetzt verdreht sie die Augen. »Katarina«, sagt sie, leckt sich über die Lippen und knallt das Glas wieder auf die Theke. Sie nimmt meine Hände in ihre und drückt sie liebevoll. »Wir beide haben heute Morgen im Radio Karten für ein Konzert der geilsten Band ever gewonnen!«

»Du hast sie gewonnen, Kim«, korrigiere ich sie.

»Ja, und du hast mir die Antwort vorgesagt, deshalb bist du hier.«

Ich winke ab. Die Frage nach der Schwester von Queen Elisabeth ist wirklich leicht, allerdings nur für jemanden wie mich, der sich mit so ziemlich allen europäischen Königshäusern auskennt. In meiner Heimatstadt ist man entweder über die Nachbarn hergezogen oder hat den neusten Klatsch und Tratsch über die Windsors, Grimaldis und Bernadottes ausgetauscht. Ich bin damit groß geworden und auch, wenn es mich nicht wirklich interessiert, Prinz Harry find ich schon recht ansehnlich.

»Komm schon, du magst die Musik doch auch.« Kim versucht alles, um mich zu ein bisschen Spaß zu motivieren.

»Du hast mir einen Song vorgespielt.« Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Musik mögen soll, sie ist doch etwas … nennen wir es speziell.

»Und das hat dir gefallen. Mann, Katarina, die Bastards sind total angesagt. Jetzt verdirb uns nicht den Spaß.«

Kim schnappt sich zwei weitere dieser Ekel-Drinks und stürmt auf Freddy zu, ein Mädel, das sie vor etwa einer Stunde hier im Club kennengelernt hat. Die beiden haben sich auf Anhieb gut verstanden und ich bin dankbar dafür. Komme ich doch so drum herum, nicht mit Kim tanzen zu müssen. Keine Frage, ich tanze gern, aber zu Musik und nicht zu dem Krach, der hier gespielt wird.

Kim und Freddy schütten sich die Black Ice in die Kehle und hüpfen nun beide wie irre herum. Als ich Kims Blick auffange, deute ich ihr mit dem Finger, dass ich kurz zur Toilette gehe, um mich ein wenig frisch zu machen. Der Black Ice ist mir doch ein wenig zu Kopf gestiegen, obwohl es nur einer war. Ich brauche ein paar Spritzer Wasser und ein wenig frisches Make-up.

Die Sanitäranlagen in diesem Club sind grauenvoll. Dieses Etablissement ist sowieso schon nicht das Gelbe vom Ei. Dreck, Scherben und andere klebrige, undefinierbare Dinge in den Ecken. Einfach ekelig! Und die Toiletten sind natürlich richtig widerlich.

Ich verzichte darauf, mein Geschäft hier zu verrichten, so dringend ist es nun wirklich nicht, aber das Waschbecken nehme ich trotzdem in Beschlag. Ich stellte das Wasser an und spritze es mir sogleich auf meinen cremefarbenen Rock. Na toll! Jetzt sieht man auch noch jeden Wasserfleck. Wütend reiße ich Papiertücher aus dem Spender und bemühe mich, das Desaster ein wenig einzudämmen, als plötzlich die Tür heftig aufgestoßen wird.

Ich traue meinen Augen kaum. Was ich sehe, toppt alles in diesem Schuppen. Wild knutschend tänzelt ein Pärchen herein und dieses Ding da, was sich Frau nennt, hat nur noch auf der linken Seite ihres Kopfes Haare. Ich mein, Kim hat auch so was, Undercut nennt sich das, aber nicht so extrem.

Und die Geräusche von ihr, als würde sie bei jedem Kuss noch mal ein extra Schmatzgeräusch hinzufügen. So wie die Kiddies es immer machen, wenn ihnen etwas besonders gut schmeckt.

Oh Gott! Nein! War das …? Ganz genau, zu genau, sehe ich, wie dieser Typ seine Zunge um die Zunge dieser Frau wickelt. Ne wirklich, ich kann sogar die Spuckefäden sehen, die sich von seiner bis zu ihrer Lippe ziehen. Bäh! Wie eklig! Das ist wie ein Autounfall, man will nicht hinsehen, aber man tut es trotzdem.

Dann lässt die Trulla von den Lippen des Kerls ab und macht sich daran, seinen Oberkörper mit ihrem Sabber einzuseifen. Ja, der Typ steht nämlich oben ohne da. Vermutlich glaubt er, seine Tattoos sind Bekleidung genug, zumindest bedecken sie einen Großteil seines Oberkörpers. Er wirft seinen Kopf in den Nacken, anscheinend genießt er die Einseifung sehr.

Er hebt den Kopf wieder und dann sieht er mich an. Erschrocken reiße ich meine Augen auf. Man müsste meinen, die Situation würde sich nun unter peinlicher Betroffenheit aller Beteiligten auflösen, doch stattdessen starrt er mich einfach weiter an. Er besitzt sogar die Frechheit, mich lüstern anzugrinsen.

Ich schlucke. Ich weiß, ich sollte schleunigst die Flucht ergreifen, aber ich bin wie festgewachsen.Jetzt beißt er sich auf die Lippe, und verflucht, ich beiße mir auch auf die Lippe. Keine Ahnung, wieso. Was ist los mit mir?

Der Kerl vergräbt seine Hände in den Haaren der Frau und rückt sie an seinem Oberkörper zurecht, lässt mich dabei aber nicht eine Sekunde aus den Augen. Ganz im Gegenteil, er scheint mich herauszufordern. Mit der anderen Hand fasst er sich in den Schritt und beginnt, sich rhythmisch zu massieren. Ich schließe für einen Moment die Augen und es fühlt sich an, als würde etwas durch mich hindurchrieseln. Als ich die Augen wieder öffne, grinst er diabolisch und leckt sich mit der Zunge über die Lippen. Kurz blitzt eine kleine silberne Kugel auf. Er trägt ein Zungenpiercing.

Ich frage mich, wie es sich anfühlt, jemanden mit einem Zungenpiercing zu küssen. Seine Brustwarzenpiercings lassen mich auch nicht kalt. Ich verspüre den Wunsch, sie anzufassen, zu sehen, wie sie mit seinen Nippeln verbunden sind und wie es wohl ist …

Oh Gott! Ich spüre es – Hitze steigt in mir auf. Ich muss sofort hier raus. Ohne einen weiteren Gedanken an die Wasserflecken auf meinem Rock zu verschwenden, stürze ich zur Tür.

Als ich an dem Pärchen vorbeikomme, spüre ich eine Hand, die meinem Hals berührt und sanft meinen Nacken streift. Er muss es sein! Ich bekomme eine Gänsehaut an der Stelle. Hastig stoße ich die Tür auf und stolpere fast über meine eigenen Füße, doch ich muss nur noch hier raus.

»Hey Katarina! Da bist du ja wieder«, brüllt Kim mir entgegen und reicht mir erneut einen dieser Ekel-Drinks. Diesmal nehme ich ihn an, in der Hoffnung, mit dem Alkohol das, was gerade passiert ist, irgendwie zu verarbeiten. Ich muss diese versauten Gedanken loswerden, bevor sie übermächtig werden.

»Alles klar? Du siehst irgendwie komisch aus, als hättest du einen Geist gesehen.«

Ich wünschte, es wäre so.

»Ne, alles okay. Ich hol uns noch was zu trinken«, sage ich.

Gerade als ich mich umdrehe, um die wenigen Schritte zur Bar zurückzugehen, erlischt das Licht. Es ist plötzlich stockdunkel im Club. Wie eingefroren verharre ich auf meiner Position, um ja nicht in eine der Scherben zu latschen, die hier überall lauern. Ein hysterischer Aufschrei, gefolgt von tosendem Applaus, lässt mich zur Bühne schauen. Dort tut sich etwas. Schatten huschen hin und her und das Schlagzeug klappert kurz. Über die Boxen hört man die Saiten einer Gitarre und dann geht es los.

Sehr melodiös spielt der Gitarrist, der jetzt von einem Spot in ein blaues Licht getaucht wird. Zu meiner Überraschung gefällt es mir und ich wende mich der Bühne ganz zu. Von meinem Platz aus kann ich sehr gut sehen, während Kim sich mit Freddy der Masse angeschlossen hat, die sich an die Bühne drängelt.

Der Gitarrist ist ganz vertieft in sein Stück. Er hält den Kopf gesenkt und Strähnen seines wirren blonden Schopfes fallen ihm ins Gesicht. Seine Finger gleiten beinah virtuos über den Gitarrenhals. Ich weiß, wie schwer Gitarre spielen ist, ich selbst beherrsche nur drei Griffe, um den Kindern ein paar Lieder vorzuspielen.

Mit einem leidenschaftlichen Trommelwirbel setzt nun auch der Schlagzeuger ein. Die Menge flippt schier aus, als er ebenfalls von einem Spot angestrahlt wird, diesmal in Grün. Ich sehe eine dunkle Mähne hin und her fliegen, während die rhythmischen Schläge in meinem Brustkorb widerhallen. Er scheint mit der gleichen Leidenschaft dabei zu sein wie der Gitarrist. Und auch dieser Teil des Stückes gefällt mir. Vielleicht werde ich die Band doch mögen.

Die Menschen vor der Bühne stampfen im Takt mit den Füßen, klatschen und skandieren immer wieder einen Namen: »Sco! Sco!« Komisch, ich dachte, die Band heißt »Bastards«. Das ist bestimmt so ein geheimes Fan-Ding.

Plötzlich verstummen die Instrumente und die Bühne ist wieder schwarz. Das Publikum ist jetzt nicht mehr zu halten. Es flippt regelrecht aus und ich höre Kim aus der Menge heraus vor Vergnügen kreischen.

Das Licht springt wieder an und die Bühne leuchtet in sämtlichen Rottönen, als würde sie in Flammen stehen. In der Mitte steht nun der Sänger und mir klappt die Kinnlade herunter. Das ist der Typ aus der Toilette! Na, da wird er ja dem Ruf eines Rockstars mehr als gerecht. Und jetzt tut er nicht mehr, als einfach auf der Bühne zu stehen und mit seinem irren Blick die Menge zu hypnotisieren.

»Sco! Sco!«, rufen sie wieder. Das muss sein Name sein.

Sco streckt seine Zunge raus, die, die vorhin noch in der Trulla gesteckt hat. Dieselbe Zunge, die mich danach ganz unweigerlich scharfmachte, als er sich damit über die Lippen geleckt hat. Sein Zungenpiercing ist gut erkennbar und das Silber reflektiert die roten Lichtstrahlen. Er sieht furchterregend aus und zugleich hat er eine Ausstrahlung, der ich mich nicht wirklich entziehen kann. Ich muss an seinen intensiven Blick denken, wie er sich selbst den Schritt massiert hat und erneut rieselt dieses seltsame Gefühl durch mich durch.

Die Musik setzt wieder ein und Sco greift nun zum Mikro. Mit einem herzzerreißenden Schrei, der durch die Technik verzerrt wird, versetzt er die Menge in Ekstase. Es ist unglaublich, aber auch ich spüre, wie mich das Kribbeln erfasst. Sco ist wie ein Magier, der die Menschen beherrscht und alle scheinen seinem Willen ausgeliefert. Ich eingeschlossen.

Mit weit ausgebreiteten Armen steht er am Bühnenrand und lässt sich bejubeln, während seine Bandkollegen für den passenden Rahmen sorgen. Er ist der eindeutige Star der Bastards. Doch plötzlich richtet er seinen Blick auf mich und wieder setzt er dieses widerliche Grinsen auf. Seine Augen fixieren mich und am liebsten würde ich verschwinden, doch ich muss wie vorhin seinen Blick erwidern. Unglaublich, was er auch über diese Distanz für eine Wirkung auf mich hat. Dann führt er wieder das Mikro zum Mund und jetzt scheint er wirklich mit dem Singen zu beginnen. Er leckt sich noch einmal über die Lippen, dann singt er die erste Textzeile und bringt mein Blut zum Kochen.

»I will fuck you tonight …«


bastards-i-atme-ein-kopie

Erscheinungstermin: 2018

Nicht verpassen! Undercover Reader werden!

UNDERCOVER READERS
Hilf mir, meine Bücher großartig zu machen. Bestimme mit und erhalte als Dankeschön ein E-book. Und du verpasst als UR keinen meiner Pimperromane. #URspecial
Ich hasse Spam, also wirst du von mir auch keinen bekommen.